Die Bau- und Immobilienwirtschaft hat ein Sechs-Punkte-Programm für klimafitte Gebäude vorgelegt. Es geht darin um weit mehr als den Tausch von Klimaanlagen: Die Verbände fordern ein umfassendes Sanierungspaket, das energetische Modernisierung, Förderungen und rechtliche Rahmenbedingungen neu denkt. Für Eigentümer und Investoren in Österreich bedeutet das: Wer jetzt plant, könnte von künftigen Anreizen profitieren – aber auch mit strengeren Vorgaben rechnen müssen.
Was die Branche konkret verlangt
Das Programm zielt darauf ab, den Sanierungsstau bei österreichischen Gebäuden aufzulösen. Im Kern geht es um sechs Forderungen, die von beschleunigten Genehmigungsverfahren bis zu einer Reform der Wohnbauförderung reichen. Besonders betont wird die Wärmewende: Bestandsgebäude sollen schneller von fossilen Heizungen auf erneuerbare Energien umgestellt werden.
Ein zentraler Punkt ist die Forderung nach planungssicheren Förderungen. Die Branche kritisiert, dass aktuelle Programme oft zu kurzfristig angelegt sind und bürokratische Hürden kleinere Projekte ausbremsen. Gefordert wird ein mehrjähriger Förderrahmen, der sowohl Einzelmaßnahmen als auch Gesamtsanierungen abdeckt.
Zudem verlangen die Verbände eine steuerliche Absetzbarkeit von Sanierungskosten – ein Modell, das in anderen Ländern bereits erfolgreich praktiziert wird. Für Vermieter wäre das ein Anreiz, in die Substanz zu investieren, ohne die Mieten übermäßig zu erhöhen. Für Eigentümer von Einfamilienhäusern könnte eine solche Regelung die oft hohen Anfangsinvestitionen abfedern.
Wer profitiert – und wer zahlt?
Die Forderungen zielen auf eine Win-win-Situation: Mieter sollen von niedrigeren Betriebskosten profitieren, Eigentümer von Wertsteigerung, und die Umwelt von geringeren Emissionen. Doch die Finanzierung bleibt der Knackpunkt. Ohne klare Aussagen zur Mittelaufbringung drohen die Vorschläge im politischen Prozess zu versanden.
Ein Blick auf die Marktdaten zeigt: Die Preise für Bestandsimmobilien sind in Österreich regional sehr unterschiedlich. In Wien etwa sind sanierte Objekte gefragt, während in ländlichen Regionen der Sanierungsstau größer ist. Gerade dort könnten gezielte Förderungen den entscheidenden Anstoß geben.
Die Hürden: Kosten, Bürokratie, Fachkräfte
Die größte Hürde bleibt die Finanzierung. Energetische Sanierungen kosten je nach Gebäudezustand fünf- bis sechsstellige Beträge. Ohne langfristige Förderzusagen zögern viele Eigentümer – insbesondere bei vermieteten Objekten, wo die Amortisation oft erst nach Jahrzehnten eintritt.
Hinzu kommt der Fachkräftemangel. Installateure, Baumeister und Energieberater sind vielerorts ausgelastet. Selbst wenn die Förderungen ausgeweitet würden, fehlte es zunächst an Personal, um die Projekte umzusetzen. Die Branche fordert daher auch eine Offensive in der Aus- und Weiterbildung.
Ein weiterer Punkt ist die Bürokratie. Gerade bei denkmalgeschützten Gebäuden oder in dicht verbauten Gebieten dauern Genehmigungen oft Monate. Beschleunigte Verfahren könnten hier Abhilfe schaffen – allerdings auf Kosten von Partizipationsrechten, was politisch heikel ist.
Was bedeutet das für den Immobilienmarkt?
Sollten die Forderungen umgesetzt werden, wäre mit einer Belebung des Sanierungsmarkts zu rechnen. Das hätte direkte Auswirkungen auf die Immobilienpreise: Energieeffiziente Gebäude würden attraktiver, unsanierte Objekte könnten an Wert verlieren. Für Investoren ist das ein Signal, bei Bestandskäufen den energetischen Zustand stärker zu gewichten.
In Niederösterreich und der Steiermark etwa gibt es viele ältere Einfamilienhäuser, die von einer Sanierungsoffensive profitieren könnten. In Oberösterreich sind die Betriebskosten in unsanierten Mehrfamilienhäusern ein häufiges Thema. Eine Reform der Förderungen könnte hier den Druck auf die Mieten erhöhen – oder aber, wenn richtig gestaltet, die Modernisierung erleichtern.
Fazit: Ein Weckruf an die Politik
Das Sechs-Punkte-Programm ist ein Weckruf an die nächste Bundesregierung. Es zeigt, dass die Branche nicht nur über Klimaziele redet, sondern konkrete Instrumente fordert. Ob die Politik liefert, bleibt abzuwarten – der Druck aus der Wirtschaft ist jedenfalls da.
Für Eigentümer und Käufer gilt: Wer eine Sanierung plant, sollte die Entwicklungen in den nächsten Monaten genau verfolgen. Ein guter Zeitpunkt könnte sein, wenn die Förderkulisse klarer ist. Bis dahin hilft ein genauer Blick auf die eigenen vier Wände – und auf die Angebote der Länder, die oft über die Bundesförderung hinausgehen.
Quelle: derstandard.at — Meldung vom 2026-08-18. Redaktionelle Einordnung durch immobilien-news.at.
