Warum die Mietrendite die zentrale Kennzahl ist
Wer eine Anlageimmobilie kauft, will wissen, ob sich das eingesetzte Kapital lohnt. Die Mietrendite berechnen heißt nichts anderes, als die jährlichen Mieterträge ins Verhältnis zum Kaufpreis zu setzen. Sie ist die wichtigste erste Kennzahl – aber nur dann aussagekräftig, wenn man zwischen Brutto- und Nettobetrachtung sauber unterscheidet und die typischen Kostenfallen kennt.
Viele Kaufinteressenten rechnen mit der Bruttorendite und wundern sich später, dass unter dem Strich deutlich weniger übrig bleibt. Dieser Beitrag zeigt die Rechenlogik Schritt für Schritt und ordnet die Ergebnisse für den österreichischen Markt ein.
Bruttomietrendite: die schnelle Orientierung
Die Bruttomietrendite ist die einfachste Größe. Sie setzt die Jahresnettomiete (Hauptmietzins ohne Betriebskosten) ins Verhältnis zum Kaufpreis:
Bruttomietrendite (%) = (Jahresnettomiete / Kaufpreis) × 100
Rechenbeispiel: Eine Eigentumswohnung kostet 300.000 Euro, die monatliche Nettomiete beträgt 900 Euro, also 10.800 Euro im Jahr.
Bruttomietrendite = (10.800 / 300.000) × 100 = 3,6 Prozent
Der Kehrwert davon ist der Kaufpreisfaktor (auch Vervielfältiger): Kaufpreis geteilt durch Jahresnettomiete, hier 300.000 / 10.800 = rund 27,8 Jahresmieten. In vielen österreichischen Ballungsräumen liegen die Faktoren für gute Lagen hoch, was die Bruttorendite entsprechend drückt. Der Faktor ist praktisch, weil er sich schnell zwischen mehreren Objekten vergleichen lässt.
Nettomietrendite: näher an der Wirklichkeit
Die Bruttorendite blendet sämtliche Kosten aus. Die Nettomietrendite berücksichtigt die tatsächlichen Aufwendungen und ist damit deutlich ehrlicher. In die Rechnung fließen zwei Korrekturen ein: die Kaufnebenkosten auf der Investitionsseite und die laufenden, nicht umlagefähigen Kosten auf der Ertragsseite.
Zu den Kaufnebenkosten in Österreich zählen:
- Grunderwerbsteuer: 3,5 Prozent des Kaufpreises
- Eintragungsgebühr ins Grundbuch: 1,1 Prozent
- Vertragserrichtung/Treuhand (Notar oder Rechtsanwalt) sowie eine allfällige Maklerprovision
In Summe kommen so schnell rund 6 bis 10 Prozent auf den Kaufpreis dazu. Diese Nebenkosten erhöhen das eingesetzte Kapital und senken die Rendite.
Nettomietrendite (%) = (Jahresnettomiete − nicht umlagefähige Kosten) / (Kaufpreis + Kaufnebenkosten) × 100
Die oft vergessenen Kostenblöcke
Auf der Ertragsseite müssen mehrere Positionen abgezogen werden, die der Eigentümer selbst trägt und nicht auf den Mieter umlegen kann:
- Instandhaltungsrücklage und Reparaturen: Ein Erfahrungswert sind rund 1 bis 1,5 Prozent des Gebäudewerts pro Jahr.
- Verwaltungskosten: Honorar der Hausverwaltung, das der Eigentümer trägt.
- Leerstands- und Mietausfallsrisiko: Realistisch kalkuliert man einen Puffer, weil eine Wohnung selten lückenlos vermietet ist.
- Steuer: Die Mieteinnahmen unterliegen der Einkommensteuer; abzugsfähig sind unter anderem die Abschreibung (AfA) und Finanzierungszinsen.
Fortgeführtes Beispiel: Bei den 300.000 Euro Kaufpreis kommen etwa 8 Prozent Nebenkosten (24.000 Euro) hinzu, das Gesamtinvestment beträgt also 324.000 Euro. Von den 10.800 Euro Jahresmiete gehen rund 2.000 Euro für Instandhaltung, Verwaltung und Leerstandspuffer ab, es bleiben 8.800 Euro.
Nettomietrendite = (8.800 / 324.000) × 100 = rund 2,7 Prozent
Aus 3,6 Prozent brutto werden also 2,7 Prozent netto – noch vor Steuer und Finanzierung.
Rendite und Finanzierung: der Hebel wirkt in beide Richtungen
Wird die Immobilie fremdfinanziert, verändert der Kredit das Bild. Solange die Nettomietrendite über dem Kreditzins liegt, wirkt der Leverage-Effekt positiv auf die Eigenkapitalrendite. Steigen die Zinsen über die Objektrendite, kehrt sich der Effekt ins Negative.
Zu beachten ist die KIM-VO, die für private Wohnkredite Leitplanken setzt: mindestens 20 Prozent Eigenmittel, eine Schuldendienstquote von höchstens 40 Prozent und eine maximale Laufzeit von 35 Jahren. Diese Vorgaben begrenzen, wie viel Fremdkapital realistisch verfügbar ist, und gehören in jede seriöse Renditerechnung.
Realistische Einordnung
Eine hohe Bruttorendite in der Peripherie ist nicht automatisch das bessere Investment: Höhere Renditen spiegeln oft höhere Risiken wider – schwächere Nachfrage, größeres Leerstandsrisiko, geringere Wertsteigerung. In gefragten Lagen ist die laufende Rendite niedriger, dafür ist die Wertstabilität meist höher.
Sinnvoll ist deshalb eine Gesamtbetrachtung aus laufender Rendite, erwartbarer Wertentwicklung und Risiko. Wer regionale Preisniveaus und Mietrelationen vergleichen möchte, findet in unseren Marktdaten eine gute Ausgangsbasis. Die Rendite selbst sollte man immer mit eigenen, konservativen Annahmen durchrechnen – lieber vorsichtig kalkulieren als sich schönrechnen.